Seit den 1970er Jahren ist die Bevölkerung der Großregion um 6,9% auf nunmehr rund 11,4 Millionen Menschen Anfang 2008 angestiegen. Auf dem Gebiet der heutigen EU-27 konnte im gleichen Zeitraum ein Plus von 14,7% verzeichnet werden. Das im europäischen Vergleich geringere Bevölkerungswachstum in der Großregion lässt sich auch in jüngerer Zeit beobachten: Seit Ende der 1990er Jahre haben sich die Zuwächse im Kooperationsraum merklich abgeschwächt und belaufen sich für den Zeitraum 1998-2008 nur noch auf +1,8% (EU-27: +3,4%). Die Verlangsamung der Bevölkerungsdynamik wurde wesentlich beeinflusst durch die seit Anfang 2006 rückläufige Einwohnerzahl in Rheinland-Pfalz sowie die bereits seit langem schrumpfenden Bevölkerungszahlen im Saarland. Ursächlich hierfür ist eine sich stetig vergrößernde negative Bilanz des natürlichen Saldos bei einem gleichzeitig abnehmenden bzw. (im Falle des Saarlandes) mittlerweile sogar negativen Wanderungssaldos. Lothringen verzeichnet eine mehr oder weniger stagnierende Bevölkerungsentwicklung – die hohen Geburtenüberschüsse werden durch die stetigen Wanderungsverluste fast kompensiert. Die Wallonie, die DG Belgien und Luxemburg weisen dagegen nach wie vor eine stabile Aufwärtsentwicklung aus.
Auf kleinräumiger Ebene gab es in den vergangenen zehn Jahren Bevölkerungszuwächse insbesondere im Einzugsbereich der wirtschaftsstarken Gebiete und entlang der Hauptverkehrsachsen. Im Kerngebiet der Großregion sorgt vor allem die wirtschaftliche Anziehungskraft Luxemburgs für steigende Bevölkerungszahlen in den angrenzenden Gebieten. Einwohnerverluste sind dagegen in einigen strukturschwachen Gebieten sowie in den weniger zentral gelegenen oder ungünstiger angebundenen Regionen zu verzeichnen.
Die aktualisierten Projektionen lassen entgegen früherer Vorausberechnungen bis 2025 einen weiteren Bevölkerungszuwachs in der Großregion erwarten, der erst danach von einem schrittweisen Rückgang der Einwohnerzahlen abgelöst wird. Von viel größerer Bedeutung sind allerdings die (bereits heute zu beobachtenden) alterstrukturellen Veränderungen: Bei einer bis 2030 immer noch wachsenden Gesamtbevölkerung kommt es gleichzeitig zu einem schrumpfenden Erwerbspersonenpotential in der Großregion. Die Anzahl der Erwerbsbevölkerung wird sinken während der Altersdurchschnitt gleichzeitig ansteigen wird.
Im Jahr 2007 umfasste die Erwerbsbevölkerung in der Großregion laut der EU-Arbeitskräfteerhebung rund 5,2 Millionen Menschen. Dies entspricht einer Erwerbsquote von 70,1%, womit sich die Großregion im Mittel der EU-27 (70,4%), aber etwas unter dem Durchschnitt der EU-15 (72%) bewegt. Gegenüber dem Jahr 2000 ist die Gesamtzahl der Erwerbspersonen im Kooperationsraum um 5,4% gestiegen; die Quote erhöhte sich seitdem um 3,3 Prozentpunkte – bei einer allerdings uneinheitlichen Entwicklung: Während zwischen 2000 und 2004 die Erwerbsquote weitgehend stagnierte, ist in der Folgezeit wieder eine merkliche Zunahme zu verzeichnen. Dies gilt insbesondere von 2004 auf 2005 (+2,4 Prozentpunkte), während die Entwicklung zwischen 2005 und 2007 mit einem Plus von 1,1 Prozentpunkten wieder etwas verhaltener ausfiel.
Der Anstieg der Erwerbsquote im Zeitraum von 2005 bis 2007 ist vor allem auf die Zunahme bei den Frauen zurückzuführen, die ihre Erwerbsquote um 1,4 Prozentpunkte auf nunmehr 63,7% steigern konnten. Demgegenüber hat sich die männliche Erwerbsquote mit einem Wert von derzeit 76,4% leicht verringert. Weitgehend unverändert blieb die Erwerbsquote der Jugendlichen in der Großregion, die im Jahr 2007 42,3% erreichten. Die größte Steigerung in den vergangenen Jahren ist bei der Erwerbsquote der Älteren zu verzeichnen (+1,6 Prozentpunkte). Trotz dieses Positivtrends blieb damit die Großregion allerdings unter den Zuwachsraten auf europäischer Ebene (+2,1 Prozentpunkte), so dass auch die Erwerbsbeteiligung der Älteren insgesamt mit einer Quote von 44,4% im Jahr 2007 weiterhin unter dem EU-Mittel verblieb (EU-27: 47,3%; EU-15: 49,3%).
Während die Arbeitslosenquote in der Großregion im Jahr 2005 mit 9,9% in der laufenden Dekade ihren Höhepunkt erreichte, hat sich im Zuge des Konjunkturaufschwungs seitdem die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich entspannt: Zwischen 2005 und 2007 sank die Arbeitslosenquote um 2,3 Prozentpunkte auf nunmehr 7,6%. Auch wenn die Großregion damit weiter zum EU-Durchschnitt aufschließen konnte, liegt sie immer noch über dem Mittel auf europäischer Ebene (EU-27: 7,2%; EU-15: 7,0%). Trotz der insgesamt positiven Entwicklung in jüngerer Zeit bleibt Arbeitslosigkeit daher nach wie vor ein drängendes Problem im Kooperationsraum. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, die spätestens seit dem letzten Quartal 2008 auch in der Großregion angekommen ist. Auch wenn derzeit die Auswirkungen der Krise statistisch noch kaum zu erfassen sind, dürften damit die allgemeinen Entspannungstendenzen auf dem großregionalen Arbeitsmarkt spätestens 2009 ein vorläufiges Ende finden.
Die günstige Konjunkturlage der vergangenen Jahre hat sich insbesondere in den beiden deutschen Regionen sowie in Lothringen positiv auf den Abbau der Arbeitslosigkeit ausgewirkt. Mit einem Minus von 3,5 Prozentpunkten seit 2005 auf nunmehr 7,3% in 2007 ist im Saarland der stärkste Rückgang zu verzeichnen. In Rheinland-Pfalz und Lothringen sank die Arbeitslosenquote um 2,7 bzw. 2,6 Prozentpunkte, wobei sich die deutsche Region mit einem Wert von 6% deutlich unter, Lothringen dagegen mit 7,7% weitgehend im großregionalen Mittel bewegt. Nur leicht gesunken ist die Arbeitslosenquote in Luxemburg, das aber mit derzeit 4,1% im interregionalen wie europäischen Vergleich den mit Abstand geringsten Wert aufweist. Nach wie vor schwierig ist die Lage in der Wallonie: Die belgische Region hat aufgrund eines nur mäßigen Rückgangs um 1,3 Prozentpunkte auf derzeit 10,5% eine weit überdurchschnittliche Arbeitslosenquote zu verzeichnen. Die DG Belgien liegt mit 7,6% genau auf dem Niveau der Großregion, ist allerdings das einzige Teilgebiet, in der die Arbeitslosenquote zwischen 2005 und 2007 gestiegen ist.
Differenziert nach Geschlecht haben die Frauen stärker als die Männer vom Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Großregion profitiert. Als Folge dieser Entwicklung hat sich auch das geschlechtsspezifische Gefälle weiter verringert. Mit einer Quote von nunmehr 8,2% sind aber die Frauen immer noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als die Männer (7,1%). Nach wie vor ein drängendes Problem bleibt die Jugendarbeitslosigkeit in der Großregion. Sie ging zwar im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs seit 2005 deutlich stärker zurück als im EU-Durchschnitt, liegt aber mit 15,8% mehr als doppelt so hoch wie die Gesamtarbeitslosenquote. Zurückgegangen ist ebenso die Langzeitarbeitslosenquote in der Großregion, die aber mit derzeit 3,8% immer noch höher ist als im europäischen Durchschnitt (EU-27: 3,1%, EU-15: 2,4%). Gleichzeitig ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen seit 2005 in der Großregion wieder gestiegen, während dieser auf europäischer Ebene rückläufig war.
Im Zentrum der politischen Prioritäten Europas dient die Europäische Beschäftigungsstrategie als Maßstab und die Zielvorgaben von Lissabon als Richtschnur für die Beschäftigungsentwicklung.
Insgesamt soll bis zum Jahr 2010 im Durchschnitt eine Beschäftigungsquote von 70% erzielt werden. Bei den Frauen werden 60% und bei den Älteren (55- bis 64-Jährige) 50% angestrebt.
Die Gesamtbeschäftigungsquote in der Großregion hat im Jahr 2007 einen Wert von 64,4% erreicht, bleibt damit aber unter dem Niveau der EU-27 (65,3%) und der EU-15 (66,8%). Gegenüber
2005 ist im Kooperationsraum ein Anstieg um 2,1 Prozentpunkte zu verzeichnen – etwas mehr als im europäischen Mittel (EU-27: +1,8, EU-15: +1,5 Prozentpunkte). Im interregionalen Vergleich haben Rheinland-Pfalz und das Saarland am stärksten zugelegt, deren Beschäftigungsquoten sich mit derzeit 71,3 bzw. 66,3% auch über dem großregionalen Mittel bewegen. Rheinland-Pfalz hat damit als erste Teilregion das Lissabon-Ziel von 70% überschritten. Alle übrigen Teilgebiete verblieben dagegen sowohl mit Blick auf die Entwicklungsdynamik als auch hinsichtlich des erreichten Niveaus unter dem Durchschnitt der Großregion. Den größten Abstand zum Lissabon-Ziel weist nach wie vor die Wallonie auf (13 Prozentpunkte).
Bei den Frauen verlief die Entwicklung in allen Teilregionen sehr dynamisch und der Zuwachs lag zwischen 2005 und 2007 mit einem Plus von 2,8 Prozentpunkten deutlich über dem der Gesamtbeschäftigungsquote. Auch im europäischen Vergleich fiel der Anstieg überdurchschnittlich stark aus, so dass die Großregion nun anders als in den Vorjahren mit einer weiblichen Beschäftigungsquote von derzeit 58,3% genau im Mittel der EU-27 liegt und das Lissabon-Ziel von 60% in greifbare Nähe gerückt ist. Rheinland-Pfalz und Lothringen haben diese Zielvorgabe bereits erreicht bzw.– im Fall der deutschen Teilregion – deutlich übertroffen. Auch das Saarland ist nur noch 0,6 Prozentpunkte von der Lissabon-Marke entfernt. Mit einer Differenz von 10,4 bzw. 6,3 Prozentpunkten müssen dagegen insbesondere die Wallonie sowie die DG Belgien hier noch einen weiten Weg zurücklegen.
Im Jahr 2007 arbeiteten in der Großregion 23,8% aller Beschäftigten in Teilzeit – deutlich mehr als im europäischen Mittel (EU-27: 18,1%; EU-15: 20,8%). Damit hat sich im Kooperationsraum der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend für diese Form der Erwerbstätigkeit weiter fortgesetzt. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von den beiden deutschen Teilregionen, wo die Teilzeitquote mittlerweile mehr als 28% beträgt. Mit Ausnahme der DG Belgien liegen alle übrigen Regionen dagegen zum Teil deutlich unter diesen Werten. Trotz steigender Anteile bei den Männern wird Teilzeitbeschäftigung nach wie vor recht deutlich von den Frauen dominiert. Im Jahr 2007 waren mehr als 82% aller Teilzeitbeschäftigten weiblich; knapp 44% aller erwerbstätigen Frauen, aber nur 7,6% der Männer waren im Rahmen eines Teilzeitarbeitsverhältnisses tätig. Im europäischen Vergleich lag die Teilzeitquote der Frauen in der Großregion damit über, die der Männer dagegen unter dem EUDurchschnitt.
Trotz eines überdurchschnittlich starken Anstiegs um 3,3 Prozentpunkte seit 2005 verbleibt die Beschäftigungsquote Älterer in der Großregion mit nunmehr 42,4% nach wie vor unter dem europäischen Mittel (EU-27: 44,7%; EU-15: 46,5%). Der Abstand zur Zielvorgabe von 50% im Jahr 2010 beträgt derzeit 7,6 Prozentpunkte, so dass weiterhin erhebliche Anstrengungen zur Förderung der Beschäftigung Älterer erforderlich sind. Innerhalb der Großregion erreichen lediglich die beiden deutschen Teilgebiete überdurchschnittliche Werte, wobei es Rheinland-Pfalz auch bei den Älteren bereits gelungen ist, die Zielmarke um 4 Prozentpunkte zu überschreiten. Dem Saarland fehlen noch 3 Prozentpunkte, während die anderen Regionen des Kooperationsraums hier noch Abstände zwischen 15 und 18 Prozentpunkten aufweisen.
Die Beschäftigungsquote der Jugendlichen in der Großregion ist 2007 gegenüber 2005 um 1,9 Prozentpunkte auf insgesamt 35,6% gestiegen. Obwohl damit der Zuwachs merklich stärker ausfiel als in der EU, liegt die Quote nach wie vor unter dem europäischen Niveau (EU-27: 37,1%; EU-15: 40,7%). Innerhalb des Kooperationsraums konnten erneut die beiden deutschen Teilregionen seit 2005 den stärksten Anstieg verzeichnen, wobei insbesondere das Saarland mit einem Plus von 4,9 Prozentpunkten ein weit überdurchschnittliches Ergebnis vorweisen kann (Rheinland-Pfalz: +3,2 Prozentpunkte). Auch Lothringen hat mit einem Zuwachs von 2,6 Prozentpunkten gut abgeschnitten. Deutlich unter dem großregionalen Mittel verblieb dagegen die Entwicklungsdynamik in der Wallonie und in Luxemburg ist die Beschäftigungsquote der Jugendlichen im Vergleich zu 2005 sogar gesunken. Aufgrund dieser uneinheitlichen Entwicklungsdynamik in den einzelnen Teilregionen hat sich auch beim absoluten Niveau in 2007 keine Annäherung ergeben: In Rheinland-Pfalz (47,6%) und im Saarland (43,2%) lag die Beschäftigungsquote der unter 25-Jährigen beinahe doppelt so hoch wie in Luxemburg (22,5%) bzw. in der Wallonie (23,1%). Lothringen bewegt sich mit 34,4% leicht unter dem Durchschnitt der Großregion insgesamt.
In der Großregion belief sich nach den Daten der Statistischen Ämter die Gesamtzahl der Arbeitnehmer am Arbeitsort im Jahr 2006 auf knapp 4,1 Millionen – gut 30.000 mehr als noch 2005. Zwischen 1995 und 2006 ist ein Plus von insgesamt 11,3% zu verzeichnen – ein Zuwachs, der vor allem von Luxemburg und der Wallonie getragen wurde. Die Entwicklung im Betrachtungszeitraum verlief dabei nicht einheitlich, sondern ist von verschiedenen Konjunkturzyklen beeinflusst worden. Nach den guten Wachstumsraten bis zur Jahrtausendwende kam es mit Beginn der konjunkturellen Eintrübung in 2001 in den Folgejahren zu einer merklichen Abschwächung des Beschäftigungswachstums in der Großregion – eine Situation, die sich erst im Zuge der Konjunkturerholung ab 2004 wieder stabilisierte. Die guten Wirtschaftsergebnisse in dieser Zeit haben sich in der Großregion insbesondere seit 2006 positiv bemerkbar gemacht, wobei der Zuwachs hier allerdings noch deutlich hinter den Ergebnissen der Jahre 1998-2000/2001 zurückblieb. Zumindest im Jahr 2007, für das zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch keine Daten für die Großregion insgesamt verfügbar waren, ist eine weitere Fortführung bzw. sogar Verstärkung dieses Positivtrends wahrscheinlich. Spätestens ab 2009 dürfte allerdings im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder mit einer Trendwende zu rechnen sein. Von der Krise betroffen sind vor allem die stark von den Entwicklungen auf den Weltmärkten abhängigen Branchen; neben dem Finanzsektor gilt dies insbesondere für die Automobil-, Stahl- und Chemieindustrie und ihre jeweiligen Zulieferer. Viele Betriebe aus diesem Bereich haben bereits Kurzarbeit angemeldet, die Zahl ihrer Leiharbeiter verringert und die Verträge von befristet Beschäftigten nicht mehr verlängert. Es sind also insbesondere die Randbelegschaften, die die Auswirkungen der Krise als erste zu spüren bekommen, während zumindest zum jetzigen Zeitpunkt versucht wird, die – gerade in der Industrie ohnehin schon stark reduzierten – Stammbelegschaften noch soweit als möglich zu halten.
Die Beschäftigungszuwächse der vergangenen Jahre gingen vor allem auf das Konto der Dienstleistungen, wobei sich vor allem die Finanz- und Unternehmensdienstleistungen sehr dynamisch entwickelt haben. Demgegenüber hat sich im industriellen Bereich der Arbeitsplatzabbau weiter fortgesetzt. Seit 2001 ist hier in der Großregion durchgängig ein Minus zu verzeichnen – ein Trend, der auch im Zuge des Konjunkturaufschwungs ab 2004 nicht gestoppt werden konnte. Eine weitgehende Stagnation lässt sich im Baugewerbe feststellen, das sich insbesondere in den Jahren 2001 bis 2005 einer schwierigen Situation mit rückläufigen Beschäftigtenzahlen gegenübersah und hier erst in 2006 wieder Zuwächse verzeichnen konnte. Analog zur Beschäftigungsentwicklung haben sich auch die Anteile der Arbeitnehmer an den großen Wirtschaftssektoren weiter in Richtung der Dienstleistungen verschoben. In der Großregion insgesamt waren im Jahr 2006 fast drei Viertel aller Arbeitnehmer im tertiären Sektor beschäftigt – knapp 6 Prozentpunkte mehr als noch 1995. Parallel dazu sank der Anteil des sekundären Sektors in diesem Zeitraum von 31,6 auf nunmehr 25,6%. Innerhalb der Großregion ist das Gewicht des tertiären Sektors in der Wallonie und in Luxemburg mit Abstand am stärksten ausgeprägt.
Die grenzüberschreitende Arbeitnehmermobilität in der Großregion wächst weiter an. Mit insgesamt 196.175 Grenzgängern im Kooperationsraum ist heute vom höchsten und dichtesten Grenzgängeraufkommen in der EU auszugehen. Dabei kommen gut über die Hälfte (55,1%) der grenzüberschreitenden Pendler aus Lothringen und fast drei Viertel (73,4%) von ihnen arbeiten in Luxemburg. Das Großherzogtum mit seinen insgesamt 143.946 Einpendlern aus Frankreich (50,1%), Belgien (25,8%) und Deutschland (24,2%) bleibt somit der größte Arbeitgeber für die Grenzgänger in der Großregion. Besonders das Pendleraufkommen aus Deutschland, das in den vergangenen fünf Jahren um 60% gestiegen ist, ist im Großherzogtum rapide angewachsen. Mit insgesamt 90.928 Auspendlern bleibt Lothringen die wichtigste Quellregion der Grenzgängerbeschäftigung.
Vor dem Hintergrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise haben zu Beginn des Jahres 2009 viele Presseberichte im Großherzogtum wie auch in den angrenzenden Regionen einen zum Teil alarmierenden Rückgang der Inlandsbeschäftigung in Luxemburg angekündigt, der insbesondere zu Lasten der Grenzgänger gehen soll. Zweifellos ist das Großherzogtum insbesondere im Finanzsektor und in der Industrie stark von der anhaltend negativen Konjunkturentwicklung betroffen, was sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Gemäß den offiziellen Zahlen, die bis Ende Februar vorlagen, ist jedoch zu diesem Zeitpunkt kein Rückgang der Inlandsbeschäftigung festzustellen und die Auswirkungen auf das Beschäftigungsvolumen im Finanzsektor sind bisher begrenzt. Auch der Eindruck, dass der Anteil der Grenzgänger, die ihre Beschäftigung verlieren, höher liegt als ihr Anteil an der Inlandsbeschäftigung, hält einer genaueren Analyse nicht stand.
Anders als in einigen Presseberichten lanciert, ist der Erhalt der Bescheinigung E 301 nicht mit Arbeitslosigkeit gleichzusetzen. Aufgrund der je nach Wohnsitzland unterschiedlichen Ausgangslage
der Betroffenen (nicht jeder benötigt dieses Dokument) und der Tatsache, dass jeder Arbeitnehmer innerhalb eines Jahres mehrere Anträge stellen kann (z.B. bei Zeitarbeitskräften der Fall) können
aus den statistischen Zahlen über die ausgestellten Bescheinigungen E 301 keine Schlussfolgerungen im Hinblick auf die tatsächliche Arbeitslosigkeit gezogen werden. Darüber hinaus ziehen Betriebe in
Krisenzeiten Entlassungen im Allgemeinen erst dann in Betracht, wenn andere personalpolitische Maßnahmen, wie Verringerung der Zeitarbeitskräfte, keine Verlängerung befristeter Verträge („Last IN; first OUT“) oder Nutzung von Kurzarbeit, nicht mehr greifen. Hier allerdings sind die Grenzgänger in der Tat stärker betroffen als die inländischen Beschäftigten: Sie machen fast 80% der Zeitarbeitskräfte aus, haben rund 70% der in den vergangenen fünf Jahren neu geschaffenen Arbeitsplätze besetzt und stellen knapp 60% der Beschäftigten in der Industrie, die am stärksten von Kurzarbeit betroffen ist. Die Grenzgänger sind daher von der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise nicht wegen bewusster Diskriminierung, sondern vielmehr indirekt aufgrund der spezifischen Struktur des luxemburgischen Arbeitsmarktes und der ausgeprägten Segmentierung des Beschäftigungssystems stärker betroffen als die inländischen Erwerbstätigen.
Während sich die Ausrichtung der lothringischen Grenzgänger auf den luxemburgischen Arbeitsmarkt immer mehr verstärkt, nimmt der Grenzgängerstrom in die beiden deutschen Regionen ab. Dieser
Rückgang wird im Saarland immer stärker spürbar, wo die Einpendlerzahlen bereits in 2006 die Grenze von 21.000 Personen unterschritten hatten. Hingegen hat sich der Strom der nach Luxemburg
auspendelnden Saarländer in den letzten fünf Jahren verdoppelt und zählt 6.616 Grenzgänger. Auch in Rheinland-Pfalz wächst der Strom der Luxemburg-Pendler mit seinen nunmehr 25.141 Grenzgängern weiter an, während sich auch die Zahl der einpendelnden Franzosen langsam erholt: Im Vorjahresvergleich stieg der Einpendlerstrom um knapp 5% bzw. wieder auf 5.134 Personen. In die Wallonie kommen immer mehr Franzosen an ihren Arbeitsplatz, während inzwischen über drei Viertel der wallonischen Grenzgänger in Luxemburg arbeiten. Vor dem Hintergrund dieser dichten und dynamischen grenzüberschreitenden Arbeitsmarktverflechtungen bildet die Großregion ein einzigartiges Sammelbecken an Erfahrungen mit grenzüberschreitender Arbeitnehmermobilität.
Weiter zugenommen hat in den vergangenen Jahren ebenso das Phänomen der grenzüberschreitenden Wohnortmobilität. Dies gilt insbesondere in den grenznahen Gebieten rund um Luxemburg, die
aufgrund der niedrigeren Immobilien- und Lebenshaltungskosten in wachsendem Maße auch für Luxemburger selbst attraktive Anreize für einen Wohnortwechsel bieten. So hat sich die Zahl der atypischen Grenzgänger luxemburgischer Nationalität seit 1999 von 1.135 auf nunmehr 2.802 Personen erhöht. Insbesondere die beiden deutschen Regionen haben in dieser Zeit mehr Zuzüge zu
verzeichnen, während die Zielländer Belgien und Frankreich demgegenüber an Bedeutung verloren haben. Mittlerweile wohnen alleine 45% der Grenzgänger luxemburgischer Nationalität in Deutschland. Nach wie vor steigend ist ebenso die Zahl der Deutschen mit Wohnort Frankreich und Arbeitsort Saarland oder Rheinland-Pfalz, die zugleich den Rückgang der französischen Grenzgänger mit Zielgebiet Deutschland deutlich abfedern. Zwischen 2000 und 2008 ist bei den atypischen Grenzgängern deutscher Nationalität ein Zuwachs um 20% zu verzeichnen, während im gleichen Zeitraum der Anteil der Franzosen um ein Viertel zurückging. Mit derzeit 7.717 Personen stellen die Deutschen inzwischen 30% der Grenzgänger aus Frankreich.
Auch hier beziehen sich die Motive für einen Wohnortwechsel vor allem auf die günstigeren Immobilien- und Baugrundpreise sowie die bessere Lebensqualität. In der Folge ist allerdings gerade an der
unmittelbaren saarländisch-lothringischen Grenze, wo sich „deutsche Enklaven“ gebildet haben, das Preisniveau für Wohneigentum gestiegen – ein Phänomen, das sich ebenso in den grenznahen
Gebieten rund um Luxemburg zeigt. Aus „Grenzgängerhochburgen“ wie etwa Thionville ist bekannt, dass aufgrund der Wohnraumnachfrage und der zahlungskräftigen Grenzgänger bereits ansässige
Nicht-Grenzgänger abwandern, da sie mit dem gestiegenen lokalen Preisniveau nicht mehr mithalten können. Mit der starken räumlichen Konzentration der atypischen wie zugezogenen Grenzgänger sind somit auch soziale und infrastrukturelle Probleme unterschiedlicher Art verbunden: Neben der Verteuerung von Immobilien- und Mietpreisen betreffen diese vor allem Fragen im Bereich Verkehr, der räumlichen Infrastruktur und sozialen Integration sowie Sprachbarrieren und Probleme im Falle von Arbeitslosigkeit.
6. Bericht der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle
11. Gipfel der Grossregion (17-07-09)