Der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Karl-Heinz Lambertz, ist am 24. November 2009 mit dem saarländischen Europaminister Stephan Toscani zu Gesprächen in Saarbrücken zusammengetroffen. Im Mittelpunkt des Meinungsaustauschs standen dabei neue Lösungen und aktuelle europäische Herausforderungen für Grenzregionen. Besonders Fragen der grenzüberschreitenden Mobilität das Motto der aktuellen Präsidentschaft des Saarlandes im Gipfel der Großregion wurden ausführlich erörtert.
Die beiden Gipfelpolitiker waren sich darin einig, dass durch grenzüberschreitende Mobilität die Folgen der Wirtschafts- und Strukturkrise in der Großregion besser zu bewältigen seien. Bereits heute pendeln täglich rund 200.000 Menschen in der Großregion über nationale Grenzen, um im Nachbarland zu arbeiten. Keine andere Region Europas weist eine so hohe Grenzgängermobilität auf wie die Großregion. Diesen Vorsprung gelte es systematisch fortzuentwickeln und die vorhandenen langjährigen Erfahrungen zu nutzen. Von der interkulturellen Kompetenz der Arbeitskräfte profitiere nicht nur die Attraktivität der grenzüberschreitenden Arbeitsmärkte und der Unternehmen. Die Großregion sei Modell für das Zusammenwachsen der Regionen in Europa. Dies müsse auch mit europäischer Unterstützung ausgebaut werden.
Ministerpräsident Lambertz berichtete über Erfahrungen aus der EuRegio Maas-Rhein. Nach ihrem Beispiel will auch die Großregion eine Task Force für Grenzgängerfragen während der saarländischen Gipfelpräsidentschaft einrichten. Ergänzend zu den bereits umfangreich vorhandenen Beratungsangeboten für Grenzgänger soll die Task Force systematisch rechtliche Probleme aufarbeiten und Hemmnisse abbauen, die durch die unterschiedlichen nationalen Arbeits- und Sozialversicherungssysteme entstehen. Beide Politiker forderten mehr nationale und europäische Unterstützung für Grenzregionen und verwiesen auf die besonderen Leistungen, die die Grenzregionen seit langem erbringen. So habe der 11. Gipfel beschlossen, die grenzüberschreitenden Verdichtungsräume in der Großregion gemeinsam zu entwickeln und die Machbarkeit eines interregionalen öffentlichen Verkehrsverbunds zu prüfen.
Europaminister Toscani: "Die Großregion ist ein echtes Modell für das Zusammenwachsen Europas. Die Deutschsprachige Gemeinschaft und das Saarland setzen sich in der Großregion und auf europäischer Ebene dafür ein, dass das Leben der Menschen über die Grenzen dauerhaft verbessert wird. Der Zusammenhalt und das Gelingen des europäischen Modells liegt in den Grenzregionen – dort ist Europa demokratisch verankert und wird gelebt."
Hintergrund
Das Saarland und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens pflegen traditionell gute und intensive Beziehungen. Karl-Heinz Lambertz ist Mitglied der "Interregionalen Gruppe Saar-Lor-Lux" im Ausschuss der Regionen, die 2003 vom Saarland ins Leben gerufen wurde und die verschiedene Positionspapiere aus Sicht von Grenzregionen initiiert hat, u.a. zu Grenzgängerfragen. Seit kurzem ist Ministerpräsident Lambertz auch Präsident der AGEG (Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen), die die Interessen von Grenzregionen auf nationaler und europäischer Ebene vertritt. Lambertz ist außerdem Berichterstatter zum Thema "Grenzräume" im KGRE (Kongress der Gemeinden und Regionen Europas) Europarat in Straßburg.
Quelle : Ministerium für Inneres und Europaangelegenheiten